Woher kommt der Name Kalpavruksha?

"Kalpawrukscha" - der Baum, der ewig Früchte trägt. Weshalb trägt unser Verein diesen schier unaussprechlichen Namen? Lies hier über die Bedeutung dieses uralten Begriffes aus der indischen Kultur

Der Baum, der ewig Früchte trägt - oder der Baum, der Wünsche erfüllt! Dieser Urbaum ist Bestandteil der indischen Mythen. Zusammen mit Kamdhenu, der Wünsche erfüllenden Kuh, wurde er einst aus einem schäumenden Milch-Ozean heraus erschaffen. Der Begriff lässt sich nicht schlüssig aus dem Sanskrit heraus übersetzen. Er ist so alt, oder anders gesagt so tief in unserem Unterbewusstsein verwurzelt, dass die Übersetzung subjektiven Assoziationen überlassen werden muss.

In Indien steht Kalpavruksha je nach Region für einen spezifischen Baum, der auf seine jeweils typische Art die Verbundenheit des Menschen mit der Schöpfung ausdrückt.


Banyan

Wegen seines imposanten Wurzelwerks ist er ein Sinnbild für die Vielfalt aus einem Ursprung. Die über Jahrhunderte sichtbare Fortpflanzung steht als Symbol für das ewige Leben.


Jasmin
Kalpavruksha steht auch für eine bestimmte, in der Nacht blühende Sorte des Jasmin. Hier wird eine Art Gegenteil der Fortpflanzungskraft des Banyan verehrt und respektiert. Auf dem Baum der Mythologie liegt wegen Eifersuchtsgeschichten eine Art Fluch: trotz der wunderschönen Blüten erzeugt er keine Früchte. Umso schöner, reiner und wohlriechender und entsprechend begehrt unter den Frauen sind jedoch die weissen Jasminblüten, die sich bei Inderinnen auch entsprechender Beliebtheit erfreuen.


Kokospalme

In anderen, vor allem den Küstengebieten Indiens gilt die Kokospalme als Kalpavruksha. Es gibt wohl kaum einen Baum, der reichhaltiger für die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse sorgt als diese Pflanze: Mark und Milch, Blatt und Faser, Saft der Blütenstände und die Steinschale sowie Holz und Herz werden zu vielfältigen Getränken, Esswaren, Textilien und Baumaterialien verarbeitet.

Der Weltenbaum kommt in vielen Kulturen über die Jahrhunderte immer wieder vor. Sein Wurzeln reichen bis tief in die Erde, seine Krone berührt den Himmel, er verbindet Unterwelt und Paradies, Vergangenheit und Zukunft.

So wie in Indien die verschiedenen Regionen jeweils ihren Baum zum Kalpavruksha gekrönt haben, so gibt es auch in unserer Kultur innige Beziehung zum Baum. Der Baum der Erkenntnis in der Bibel zeigt in einer dramatischen Schöpfungsgeschichte auf, wie das Überschreiten der menschlichen Grenzen im Verlust von Lebensfülle resultiert, während es beim „Bäumlein rüttel dich“ des Aschenputtels nur auf den ersten Blick um etwas völlig anderes geht. Nicht nur der kindliche Leser versteht von ganzem Herzen, dass das ersehnte und schliesslich vom Wunschbaum gespendete Ballkleid lebenswichtig ist. Einer in der Aschenschublade gefangenen Existenz fehlt ebenfalls Lebensfülle, die Freude, die dem Leben erst Sinn verleiht.

Diese Lebensfülle wünschen wir den Menschen, für die wir uns mit unseren Projekten einsetzen: durch die Verbesserung ihrer Lebensqualität und den Zugang zu Bildung. Wir wünschen sie auch den Helfern: durch Empathie bei einer Spende, durch einen Besuch in den Projekten und durch die Konfrontation mit einer so fremden und in den Wurzeln doch ganz bekannten Kultur.

Über eure Gedanken und Anregungen zu „Kalpavruksha“ würde ich mich freuen.
Bitte sendet sie an matina@haemmer.li

Matina Hämmerli

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